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Erlebnisse in Glastonbury

 

Wir kamen am Vormittag des 22. Dezember in London an und fuhren mit einem Mietauto nach Glastonbury. Die  Fahrt war angenehm und gegen Mittag erreichten wir unser  Ziel. Das Tor begrüsste uns von weitem, ein Anblick, der die  Kehle enger werden lässt. Wieder und immer wieder.Das Jasmin Cottage wo wir gebucht hatten, war rasch erreicht und der  Empfang durch Justine, der Inhaberin, herzlich. Wir richteten uns im Zimmer ein und fragten anschliessend wo betreffend Jule noch ev. etwas stattfände. Sie teilte uns mit, dass bei der weissen Quelle um 16'30h eine Zeremonie abgehalten werde und so trollten wir uns, denn wir wollten noch zuvor die  High Street mit all ihren Anziehungspunkten erkunden und begrüssen.Es war alles noch wie im Sommer. Einfach wundervoll. Um die Zeremonie nicht zu verpassen schlenderten wir beizeiten Richtung Chalice Well. Die weisse Quelle war offen und drinnen erklangen Flötentöne. Das Gewölbe und die einzelnen Räume waren sehr feucht, aber beeindruckend in ihrer Schlichtheit und dennoch ging eine Kraft von ihnen aus. Ein älterer Mann mit Bart und Zipfelmütze spielte auf seiner Flöte und war ganz in sich versunken. Wir erkundeten alle Räume. Einer war Brigid gewidmet und in einem Raum befand sich ein kleines Bassin, worin man im heiligen Wasser waten konnte. Wir trafen auf einen Raum, der Pan gewidmet ist. Ein wunderschönes Bild hing dort an der Wand, Pan, im Wald als Herr der wilden Tiere, die obere Hälfte seines Gesichts mit einer Hirschmaske bedeckt, auf seiner Hand sass ein Falke und in seinem linken wohlgeformten Arm hielt er behutsam einen Hasen. Der Altar war schlicht, eine Wurzel, etwas Efeu, Kerzen und gegenüber dem Bild hing ein grosses Geweih an der Wand. Die Atmosphäre war gewaltig, fast konnte ich ihn riechen und den weichen Waldboden unter den Füssen spüren. Zutiefst berührend! Ich musste mich zwingen, die anderen Räume aufzusuchen, wäre am liebsten dort geblieben in stiller Versunkenheit.Menschen füllten den Raum beim Eingang und ein Mann erklärte, man werde nun alle Lichter löschen und gemeinsam die Dunkelheit erspüren, danach werde im Sinn von Jule eine Kerze entzündet von welcher aus weitere Teelichter an alle Anwesenden verteilt werden, zur Begrüssung des neuen Lichtes. Der Raum wurde dunkel und obwohl kalt und klamm, fühlte man sich in dieser Dunkelheit geborgen wie in einem Schoss.Die erste Kerze wurde entzündet und die Bedeutung von Jule erklärt und das Sonnenkind willkommen geheissen.the light is reborn! the light is reborn! the light is reborn!Die Temperatur stieg merklich angesichts der Freude und der Energie, welche die Menschen ausströmten. Meine Kerze wusste wohin sie wollte, bald stand sie auf dem Altar von Pan und erhellte als erste den Raum für ihn. Ich verzichte darauf, hier näher auf meine Empfindungen einzugehen.Am Eingang formierte sich eine Gruppe von Frauen und einem Mann, der sogleich anfing, Gitarre zu spielen. Alte, heidnische Lieder, die von der Ankunft des Sonnengottes und der Wiederkehr des Lichts berichteten. Die Menschen sangen, schwangen mit, wiegten sich im Rhythmus, träumten vor sich hin. die Energie im Raum war greifbar, spürbar, zum zerschneiden und obwohl immer wieder Tropfen von der feuchten Steindecke fielen, war die Temperatur angenehm. Die Göttin der weissen Quelle war spürbar unter uns und freute sich mit uns über die Ankunft ihres Sohnes. In einer dunklen, kalten Nacht hielten sich Menschen – Heiden – in einem klammen Gewölbe auf und sangen das Licht herbei. Überall glänzende Augen, lachende Gesichter, in welche die Ergriffenheit geschrieben stand. Während wir mit ihnen feierten und sangen, fühlte ich plötzlich eine Berührung an meinem Hinterkopf  und obwohl es sich sehr real anfühlte, bewegte ich mich einen Moment nicht, um das Gefühl auszukosten, nahm es einfach an. Ich stellte fest, dass niemand hinter mir war, niemand hatte mich berührt, trotzdem fühlte ich das Gefühl der Hand an meinem Kopf und dies war so angenehm, dass ich meinen Kopf am liebsten in diese Hand gebettet hätte. Noch bevor ich mich umsah, wusste ich dass niemand mich angefasst hatte. Aber in dieser Jul- Zeit ist ja so vieles möglich…Es fiel uns schwer, diesen Ort zu verlassen, nachdem die Musikanten geendet hatten. Man merkte, dass die Anwesenden nur widerstrebend die Quelle verliessen, es ging uns nicht anders. Dennoch traten wir den Weg zum Zentrum zurück an, noch völlig aufgedreht und gleichzeitig ergriffen, wir konnten von nichts anderem sprechen. Wir hatten soeben einer ausgelassenen, andächtigen, wilden und gleichzeitig besinnlichen heidnischen Feier beigewohnt und konnten es nicht fassen. Fantastisch!Dies war der Auftakt einer ereignisreichen Woche.

 



Das zweite erlebnisreiche Ereignis führte uns auf unserem Aufenthalt in Glastonbury zur Chalice Well. Dieses Ausflugsziel war ohnehin fest geplant, doch in diesem Jahr war da noch ein anderer Grund…in unserem Reisegepäck befanden sich unsere Trauringe und die wollten wir in Chalice Well und am Tor weihen.

Also pilgerten wir - wieder einmal mehr – zur Quelle und trotz dem recht kühlen Wetter und den kahlen Bäumen und Sträuchern war ihr Zauber ungebrochen, ihre Wärme und Geborgenheit hüllten uns förmlich ein, kaum hatten wir den Garten betreten. Nachdem wir etwas herumgestreift waren und die vertrauten Plätze und deren wohltuende Energie besucht und genossen hatten, suchten wir den Platz auf, wo das Wasser den Mund des kleinen Löwenkopfes an der Mauer verlässt, wo die Ruhe so andächtig ist und selbst die Pflanzen den Atem anzuhalten scheinen. Wo das Wasser so metallig schmeckt und gleichsam so heilsam für Geist und Körper ist.

Still hielten wir inne, um dem Platz den gebührenden Respekt zu erweisen und auch jetzt war es wie eine warme Umarmung zwischen den Pflanzen, die bereits in Winterruhe verharren. Wir tranken zuerst von dem Wasser dieser heiligen Quelle und danach floss das Wasser durch und über unsere Ringe, während wir in Gedanken die Göttin und den Gott, den Geist dieses Ortes und die Wesen von Avalon baten, dieser Verbindung ihren Segen zu schenken.

Danach bedankten wir uns und besuchten die Quellenkammer. Der Deckel der sechseckigen Brunnenkammer, in der einst der heilige Gral versteckt worden sein soll, ist mit dem geheimnisvollen Vesica Piscis Symbol verziert. Das uralte Symbol zweier ineinander greifender Kreise ist ein universelles, welches die Vereinigung von Himmel und Erde, Geist und Materie, bewusst und unbewusst, sowie maskulin und feminin repräsentiert. Es ist die Botschaft, die Vision von Einheit und liebevoller Sorge für die Erde mit all ihren Lebensformen in unserem alltäglichen Leben zu verwirklichen.

Wenn immer wir dort sind, platzieren wir Teelichter in den Nischen der Steine, auch jetzt, und wir verstreuten getrocknete Rosenblüten und einen Räuchermix, um die Quelle und ihren Geist sowie die Göttin zu ehren.

Nach diesen sehr eindrücklichen Empfindungen dieser Plätze machten wir uns auf den Weg zur Schaukel oben im Garten von wo aus man einen fantastischen Blick hinauf zum Tor hat.

Zu diesem Zweck erklommen wir an einem milden Winterabend, am 26. Dezember 07, den Hügel zum Tor. Kaum hatten wir das Gatter unten am Hügel passiert, stellten wir fest, dass bereits hier vom milden Lüftchen unten in Glastonbury nichts mehr zu spüren war, hier pfiff uns eine anständige Brise um die Ohren. Umso höher wir stiegen, umso kälter und heftiger tobte der Wind um uns herum, um nicht zu sagen der Sturm. Beim Innehalten zwischendurch konnten wir das Lichtermeer von Glastonbury unter uns bewundern, wirklich wunderwunderschön war das!

Und weiter gings. Der Wind schnitt uns den Atem ab, zerrte an den Haaren, drückte uns im Rücken vorwärts und war so stark, dass man nicht hinfiel, wenn man sich in den Wind fallen liess. Wir waren noch weit unten auf dem Pfad, da konnten wir die schwarze Silhouette des Tor bereits oben sehen….und wie immer durchfuhr uns ein Schauder….Faszination….Furcht…Respekt…ein Anziehen und Wegstossen zugleich, doch immer das Gefühl, kurz vor etwas Einzigartigem und Mächtigen zu stehen.

Bald hatten wir die Ebene erreicht und nun auch den Zustand, wo man geradewegs auf das Tor zugeht, ohne links und rechts zu schauen, unwiderstehlich und magisch angezogen von diesem Ort…wie immer, kuschele ich mich in die eine Ecke der Mauer, dort wo ich fühle, der Stein umarme mich und die Energie fliesst durch den Körper wie Strom.

Heimkommen, Ankommen, Ausruhen, Auftanken und Nie-mehr-wieder-fortgehen-wollen.

Wir waren ganz allein dort oben! Keine Seele mit einem sterblichen Körper ausser uns befand sich am Tor. Einfach toll!

Vom Mond (es war zwei Tage nach Vollmond) war noch nichts zu sehen, und wir umrundeten das Tor, genossen den Blick aus jedem Winkel davon und setzten uns schliesslich auf die Steinbänke im Inneren. Wie bereits am Montag, sahen wir auch jetzt die Lichterspiele an den Wänden im Innenraum. Es war unmöglich, ein Teelicht am Brennen zu erhalten und so beschränkten wir uns auf einen Räucherkegel. Zusammengekauert in einer Ecke weihten wir unsere Ringe ein zweites Mal, während der Wind und noch einige andere Wesen das Tor umtanzten.

Wir besuchten danach den grossen Stein ausserhalb des Tores gleich am Abhang und der Himmel zeigte sich wolkig, mein Partner Hans-Jörg bedauerte es, dass der Mond sich nicht zeigte und ich sah einen schwachen Schimmer am Rande der Wolken. "Sieh doch, sie kommt" ("sie" weil wir sie "Mondin" nennen) und tatsächlich….der helle Schimmer wurde immer grösser und als sich bereits eine kleine Sichel hinter den Wolken hervorschob, begann ich für sie zu singen.

Isis, Astarte, Diana, Hekate, Demeter, Kali, Innana. 
Isis, Astarte, Diana, Hekate, Demeter, Kali, Innana.

Als sie dann strahlend hell am Himmel stand und alles in blaues Licht getaucht war verstummte ich ergriffen. Es berührte mich sehr, dass ich für sie singen durfte.

Wir genossen diesen Anblick und badeten wohlig in ihrem Schein. Das heilige Land lag da als wäre soeben die Göttin selbst darüber hinweg geschritten. Auch hier gehen mir die Worte aus, dies entsprechend zu beschreiben. Wir empfehlen jedem, diese Eindrücke persönlich vor Ort zu erleben und Ihren Hauch zu spüren.

Irgendwann machten wir uns an den Abstieg, dankten dem Platz und dem Tor und allen Wesen und schritten verzaubert den Weg entlang, wie immer um uns nach einigen Schritten umzudrehen, damit wir das Tor in jeder Perspektive sahen und vorallem bedeutet ja auch jeder Schritt ein Abschied.

Wir kamen unten in Glastonbury an und spürten, dass ein neues magisches Kapitel geschrieben worden war.